Telekom-Turm soll Hochhaus werden

Telekom-Turm, der bald Hochhaus werden soll

Der Telekom-Turm in Überlingen wird wohl bald nicht mehr erkennbar sein: Der Fernmeldeturm soll in einem Hochhaus aufgehen, das Hochhaus soll um den Turm herum gebaut werden, geplant sind offenbar bis zu 15 Stockwerke mit 22×23 Meter Grundfläche.

Noch sind es nur unbestätigte Gerüchte aus zuverlässigen Quellen, die seit Juli in Überlingen für reichlich Gesprächsstoff sorgen. Etwas dazu sagen könnte die Stadtverwaltung oder auch der Gemeinderat, doch die Verhandlungen mit dem Investor laufen hinter verschlossenen Türen in nichtöffentlichen Sitzungen, die Beteiligten sind zum Schweigen verpflichtet. Nur so viel ist aus dem Rathaus offiziell zu erfahren: „Die Stadtverwaltung befindet sich in Gesprächen mit einem Investor.“

Der Investor ist die Baufirma Betz und Weber, die das Grundstück mit dem Turm und einem größeren zweistöckigem Flachbau vor einigen Jahren erwarb. Zuvor war es im Besitz der Telekom, die dort Fernmeldeeinrichtungen unterhält. Die Stadt hatte vor einigen Jahren noch unter Oberbürgermeisterin Sabine Becker beim Verkauf ein Vorkaufsrecht nicht genutzt, um das Gelände selber zu entwickeln. Nun stellte der Investor seine Ideen und Pläne vor. Die damalige und mittlerweile mit deutlichem Ergebnis abgewählte Oberbürgermeisterin Sabine Becker soll neuerdings als Rechtsberaterin und damit als Lobbyistin bei Betz und Weber in diesem Projekt engagiert sein. Eine diesbezügliche Anfrage blieb unbeantwortet.

Der Telekom-Turm muss bestehen bleiben, die Telekom will ihn in einem Mietverhältnis weiter nutzen. Um ihn herum soll besagtes Hochhaus entstehen. Das ehemalige und weitgehend von der Telekom nicht mehr benötigte Verwaltungsgebäude dient im Moment noch zahlreichen Überlinger Vereinen als Training-, Übungs- oder Tagungsdomizil. Doch die neuesten Mietverträge mit den Vereinen sind nur noch befristet. Betz und Weber plant, das Gebäude abzureißen, wodurch erst mal alle Vereine ihr Vereinheim verlieren. Auf dem großen Grundstück sollen dann vier oder fünf Wohngebäude mit drei bis vier Vollgeschossen erreichtet werden, zusätzlich zu dem Hochhaus.

Doch noch ist es nicht so weit. Betz und Weber hatte im Juli nicht das erste Mal bei den Fraktionen und der Stadtverwaltung angefragt und ihre Ideen und Pläne vorgestellt. Denn die maßgeblichen Entscheidungen, ob der Turm überhaupt kommt und ob die Wohnblöcke tatsächlich die gewünschte Geschosszahl haben werden, liegt beim Gemeinderat. Der muss erst noch einer Bebauungsplanänderung zustimmen, noch ist es Gemeinbedarfsfläche (Telekom) und noch nicht Wohnbaufläche. Erst mit dem neuen Bebauungsplan wird letztlich auch die Höhe der Bebauung festgelegt. „Es ist der Entscheidungsspielraum des Gemeinderates, es ist eine politische Entscheidung“ erklärt ein an dem Projekt Beteiligter, der namentlich nicht genannt werden darf.

Jedenfalls haben die Fraktionen schon beim ersten Vorstellungstermin dem Investor klar signalisiert, dass sie einem Turmbau nicht zustimmen werden. Und auch beim neuerlichen Termin im Juli soll es offenbar wieder eine klare Ablehnung gegeben haben.

Offiziell ist jedoch nichts davon bestätigt. Die Stadt spricht lediglich davon, „die Planungsziele im zuständigen Ausschuss und im Gemeinderat vertiefend zu diskutieren.“ Wie zuvor schon soll auch die weitere Planung in nichtöffentlichen Sitzungen fortgeführt werden, der Bauausschuss hatte am Montag über die Bebauungsplanänderung und den Turm beraten: Einmal mehr hinter verschlossenen Türen.

Doch gegen die Nichtöffentlichkeit und insbesondere auch gegen den Turm regt sich Widerstand: Vergangenen Mittwoch sprachen in der Bürgerfragestunde vor der Gemeinderatssitzung Vertreter einer bereits etablierten Interessensgemeinschaft vor und verlangten von der Verwaltung und den Fraktionen Auskunft zu dem Projekt. Die erhielten sie erwartungsgemäß nicht. Statt dessen drohte Oberbürgermeister Jan Zeitler mit Disziplinarverfahren, sollten weitere Details aus dem Projekt an die Öffentlichkeit dringen.

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