Kommt jetzt doch der Telekom-Wohnturm?

Es war die zentrale Aussage bei dem vom SPD Ortsverband Überlingen organisierten Treffen Anfang Dezember 2018 mit interessierten Bürgern sowie Vertretern von Betz und Weber Baupartner GmbH zum Thema Bebauung des Telekom-Geländes in der Langgasse: „Sozialer Wohnungsbau können wir nur machen, wenn wir in die Höhe gehen“, so der Betz und Weber-Geschäftsführer Alexander Weber. Sozialer Wohnungsbau sei nur mit dem „Wohnturm und viergeschossigem Wohnbau“ realisierbar, alles andere sei aus „wirtschaftlichen Gründen nicht darstellbar.“

Betz und Weber hatten geplant, auf dem nordwestlichen Ende des ehemaligen Telekom-Geländes Wohntürme mit insgesamt 33 Wohnungen zu erreichten. Aus dem Telekom-Funkturm sollte ein Wohnturm mit 60 Wohnungen werden. Ein weiterer Wohnblock im südwestlichen Teil des Geländes sollte nochmals zwölf Wohnungen beherbergen. Und letztlich sollte auch das Telekom-Gebäude um zwei Stockwerke aufgestockt werden um dort 13 Wohnungen unterzubringen: „Und diese zwei Stockwerke würden wir komplett der Stadt für sozialen Wohnungsbau übergeben“, so Webers Erklärung im Dezember.

Der Gemeinderat jedoch hatte bereits im November einstimmig nicht nur den Wohnturm abgelehnt, er kürzte zudem auch den geplanten viergeschossigen Wohnbau im nordwestlichen Teil um je eine Etage auf einen zwei- und dreigeschossigen Wohnbau. „Für diese vier Gebäude (Anm.: im nordwestlichen Teil) gibt es keinen sozialen Wohnungsbau“, so der eindeutige Kommentar von Weber zu dem Gemeinderatsbeschluss und zu den Ideen von sozialem Wohnungsbau in der Langgasse. Damit war einmal mehr offensichtlich, dass es für Betz und Weber den sozialen Wohnungsbau auf dem aufgestockten Telekom-Gebäude nur geben wird, wenn der bereits abgelehnte Telekom-/Wohnturm mit den geplanten 60 Wohnungen doch noch genehmigt wird.

Ganz in diesem Sinne positionierte sich die SPD bereits Anfang Dezember für den sozialen Wohnungsbau auf dem aufgestockten Telekom-Gebäudes – und damit insbesondere auch für die Voraussetzung hierfür, nämlich den Wohnturm. Auf die Frage von Reinhard Irmscher von der Anwohner-Interessensgemeinschaft, ob das „in der Sitzung so beschlossen wurde, dass da noch zwei Geschosse drauf kommen dürfen?“, antwortete SPD Stadtrat Oswald Burger mit „Ja!“. Ähnlich äußerte sich der ebenfalls anwesende SPD Medienreferent Rainer Röver: „Meine persönliche Meinung, und die der SPD, ist, wir werden der Umwandlung und Erschließung nur zustimmen, wenn die Aspekte des sozialen und bezahlbaren Wohnraums dort auch entwickelt sind.“ Nur: Voraussetzung für diese Entwicklung ist gemäß Betz und Weber eben die Realisierung des Wohnturmes.

Wie wichtig der SPD dieses Anliegen ist, zeigte sich im Anschluss an die Veranstaltung: Während die wenigen anwesenden Anwohner eine zwei- und sogar auch nur eine einstöckige Aufstockung des Telekom-Gebäudes mit allen Voraussetzungen eindeutig ablehnten, schrieb Röver im Anschluss an die Versammlung auf den Seiten der SPD im Internet genau das Gegenteil, eben dass sich „ein großer Teil der Anwohner eine Aufstockung des Bestandsgebäudes vorstellen könne.“

Einen ersten Teilerfolg kann Betz und Weber möglicherweise schon bald verbuchen: Trotz Reduzierung der Geschosszahlen bei dem Bauvorhaben im nordwestlichen Teil plant er aktuell dort wie anfänglich vorgesehen 33 Wohnungen zu realisieren. Und für die weiteren geplanten Projekte in der Langgasse hielt sich Alexander Weber noch im Dezember alle Optionen offen: „Wir haben jetzt einen Planungsstopp für das Restgebäude“ und: „Wir haben uns dafür entschieden, dass wir das mit dem neuen Gemeinderat diskutieren werden.“

Diese Entscheidung fiel nicht ohne Hintergedanken, denn die ursprünglich vom Gemeinderat im November beschlossene Ablehnung des Telekom-Wohnturmes ist seit 8. April 2019 nicht mehr bindend, theoretisch könnte jetzt schon ein neuer Gemeinderatsbeschluss zugunsten des im November abgelehnten Wohnturmes kommen. Und da hat Betz und Weber neben der SPD möglicherweise einen neuen Partner und Befürworter.

Der Beschlussvorlage des Gemeinderates am heutigen Mittwoch (15. Mai 2019), das städtebauliche Konzept zur Grundlage eines vorhabenbezogenen Bebauungsplanes für die Langgasse zu machen, liegt ein Konzept zur Schaffung von gefördertem Wohnraum der Abteilung Stadtplanung bei. Die Idee der Verwaltung ist es, den im südöstlichen Teil des Grundstückes geplanten Wohnblock dem sozialen Wohnungsbau zuzuführen. Dass aber Voraussetzung hierfür, wie von Betz und Weber noch im Dezember klargestellt, der Wohnturm ist, wird in dem Konzept nicht erwähnt.

Plant also auch schon die Verwaltung mit dem eigentlich abgelehnten Wohnturm, um letztlich den sozialen oder geförderten Wohnraum doch realisieren zu können? Bei den vielen nichtöffentlichen Sitzungen und Beschlüssen ist das kaum zu kontrollieren, daher bleibt es erst mal reine Spekulation. So wie auch der Gedanke, dass die Parteizugehörigkeit eine Rolle spielen könnte: Oberbürgermeister Jan Zeitler als oberster Chef der Verwaltung ist ebenfalls Mitglied der SPD.

So sollte das Telekom-Areal nach den Plänen von Betz und Weber bebaut werden (Stand: 11. April 2018)